Hunde in Not
Therese Steuri

von Therese Steuri

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Kopf hoch Bareli

Kopf hoch Bareli!

Anfangs Dezember ereignete sich in der Gemeinde X ein Fall für den Tierschutz, ein Hund geriet in Not. Ein alleinstehender Bauer ist schwer erkrankt und musste folglich ins Spital eingeliefert werden. Es ist traurig aber wahr, gemäss den Aussagen der Ärzte wird der Bauer nicht mehr nach Hause zurückkehren können. Was geschieht nun mit den zurückgebliebenen Tieren?

Dank dem Einsatz des Gemeindepräsidenten haben die Kühe bereits nach drei Wochen wieder einen neuen Stall gefunden. Die Tatsache, dass zum Bauernhof auch Katzen gehören, hat sich in der Gemeinde wie ein Lauffeuer verbreitet. Tierfreunde haben spontan reagiert und die herrenlosen Katzen bei sich aufgenommen. Nur Bareli, ein ungefähr achtjähriger Appenzeller, bleibt alleine und verlassen daheim. Der Gemeindepräsident bat uns um Hilfe.

Meine Aufgabe war es ihn mit List und Tücke aus seiner geliebten Umgebung wegzubringen. Ich finde Bareli auf einem Feld in der Nähe des Bauerhofes. Er sieht mich ebenfalls schon von Weitem. Blitzartig ergreift er die Flucht. Er rennt nach Hause, was mir ausserordentlich gefällt, denn einen verstörten Hund auf freiem Feld heranzulocken ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden. Meine Hundekekse, die ich vorsorglicherweise in die Tasche eingesteckt habe, interessieren ihn überhaupt nicht.

Beim Haus angekommen muss ich dreimal leer schlucken. Als erstes finde ich eine tote Katze. Die Umgebung gleicht einer Mülldeponie! Wo aber hält sich Bareli auf? Nach langem Suchen finde ich Ihn schliesslich kauernd in einer dunklen Ecke. Am Boden fehlen Bretter. Ich muss aufpassen, damit ich nicht stürze. Langsam nähere ich mich Bareli. Was ich sage ist egal, Hauptsache es hat eine beruhigende Wirkung auf den Hund in Not. Mit meiner Hand nähere ich mich behutsam seiner Schnauze. Dies ist gefährlich, denn der Hund kennt mich überhaupt nicht und wird von mir in die Enge getrieben. Bareli weiss weder ein noch aus. Dass er mich jetzt nicht beisst, ist ein wahres Wunder... An seinem zaghaften Schwanzwedeln erkenne ich, dass ich bereits gewonnen habe...

Erleichtert versuche ich ihn nun an die Leine zu nehmen, aber zuerst muss ich irgendwie noch sein Halsband umdrehen können. Während ich ihm behutsam den Kopf streichle, benutze ich die Gelegenheit, ihn abzulenken und – KLICK – ist es mir gelungen! Langsam ziehe ich ihn an der Leine aus seinem Versteck heraus. Ich habe Mühe, denn Bareli will um alles in der Welt sein geliebtes Zuhause nicht verlassen. Mir fällt auf, dass er sich immer wieder umdreht, während ich mit ihm zum Auto gehe. Sein trauriger Hundeblick sagt alles. Ich versuche ihn so gut es geht abzulenken. Auch mir geht sein Schicksal sehr nahe, ich reisse mich aber zusammen.

Im Tierheim angekommen überreiche ich Bareli zur Betreuung. Wie soll ich nun ein neues, geeignetes Zuhause für ihn finden? Sollte ich ihn als dickes, vollgefressenes, schmutziges Schweinchen ausschreiben oder als herrenlosen Hund? Spass beiseite – ich wähle die zweite Variante. In der Zeitung beschreibe ich Barelis Schicksal. Ich suche für ihn einen neuen Platz, wo er seinen Lebensabend verbringen darf. Ich hoffe, dass sich jemand seiner erbarmt....

Kurz darauf meldet sich ein alleinstehender Bauer. Er wohnt ziemlich abgelegen in den Schweizer Bergen. Letzten Herbst musste besagter Bauer seinen alten Hund in Not einschläfern lassen. Wird Bareli nun diese Lücke ausfüllen können?

Ziemlich aufgeregt fahre ich zum Tierheim. Wie vereinbart erscheint der Bauer. Bareli zeigt grosses Interesse, er lässt sich streicheln und gibt sogar die Pfote. Nachdem sich der Bauer das Schicksal von diesem Vierbeiner angehört hat, entscheidet er sich, den Hund mitzunehmen. Zufrieden unterschreibt er die notwendigen Papiere und wendet sich glücklich Bareli zu. Ich bin sehr erleichtert, denn es ist nicht selbstverständlich, dass dieser Hund ein geeignetes Zuhause gefunden hat.

Nach ein paar Tagen erfahre ich telefonisch, dass es dem Hund gut geht und dass er sich in seinem neuen Zuhause sehr wohl fühlt. Mir bleibt nur zu hoffen, dass er mich kommenden Sommer, wenn ich ihn besuchen werde, akzeptieren und vielleicht sogar freudig begrüssen wird.

So findet eine traurig begonnene Geschichte für Bareli doch noch ein gutes Ende. Meine besten Genesungswünsche gehen an den ehemaligen Besitzer des Hundes, der sich immer noch im Spital befindet, jedoch beruhigt an seine Tiere denken kann.

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